- Eine Reise mit Pferd und Wagen (A Journey by Waggon)
- Die Schönheit, die ich sehe (The Beauty of Ireland)
- Ein Pferd am Fluß (Horse by the River)
- Schwarz und weiß wie Nacht und Traum (The Piebald)
- Die Pferde (The Horses)
Eine Reise mit Pferd und Wagen
(A Journey by Waggon)
Im Sommer, da fährt der Wagen über´s Land,
Und die Leute stehen am Straßenrand.
Bunt leuchetet es vor des Himmels Blau.
Wie schön er bemalt ist, das sieht man genau.
Das Pferd hat jetzt Hunger, und der Wagen hält an,
Damit es in Ruhe was fressen kann.
Der Traveller geht neben dem Wagen her,
Er schont sein Pferd, denn er liebt es sehr.
Es heißt Prinz, und es weiß den Wagen zu zieh´n.
Seit sehr vielen Jahren schon kennt es ihn.
Prinz wird getränkt und bekommt frisches Gras;
Das Traben macht ihm bald wieder großen Spaß.
Sein Herr schwingt sich auf den Wagen hinauf,
Und fröhlich ruft er: "Lauf, mein Prinz, lauf! "
Wiesen und Felder ziehen vorbei;
Der Traveller fühlt sich glücklich und frei.
Er sieht einen Bach, sein Wasser ist rein,
Und denkt: darin könnten Forellen sein.
Er setzt sich ans Ufer, zieht aus seine Schuh,
Und watet ins Wasser ohne Angel und Schnur.
Geduldig wartet er dann auf sein Glück
Und schaut ins Wasser mit scharfem Blick.
Kommt eine Forelle geschwommen, im Nu
Greift er mit bloßen Händen zu.
Er ist geschickt, und es dauert nicht lang,
Da macht er schon wieder den nächsten Fang.
Zum Schluß liegen sieben Stück aufgereiht
Am Ufer zum Grillen für ihn bereit.
Er sieht einen Hasen, er läuft in den Wald.
Sein Hund rennt ihm nach und fängt ihn alsbald.
Am Waldesrand leuchten die Erdbeeren rot;
Die nimmt er sich mit für sein Abendbrot.
Auch Pilze findet er viele am Weg,
Die schmecken sehr gut zu dem Feldhasensteak.
Sein Wagen nun trägt eine köstliche Last;
Für heute macht er am Straßenrand Rast.
Am Abend dann gibt´s frisch gefangenen Fisch,
Bach, Wiesen und Wald ihm deckten den Tisch.
Und denkt er ans Essen am folgenden Tag,
Dann weiß er, es gibt was, das er gerne mag.
So zieht er weiter mit Wagen und Pferd.
Und weiß, das Mutter Natur ihn ernährt.
Julia Gentle
Die Schönheit, die ich sehe
(The Beauty of Ireland)
Als ich ein Kind war,
habe ich nie etwas schönes besessen.
Ich hatte nichts, was ich mein Eigen nennen konnte,
denn wir waren sehr arm.
Ach, aber die Schönheit Irlands!
Die silbernen Bäche in den grünen Wiesen,
bedeckt mit Butterblumen,
verschmolzen zu den Farben unserer geliebten Flagge.
Ach und an einem Sommertag
mit kleien nackten Ffüßen durch die Bäche zu springen
und hinauf zu schauen zu den blauvioletten Bergen!
Kein Spielzeug hätte mich glücklicher gemacht
als zurückzukehren in unser Camp
und Vater beim Beschlagen der Pferde zu sehen .
Die Hornsplitter aufzuheben,
und den fahrenden Männern zu lauschen
beim Pferdehandel und beim Tauschen.
Und wie sie die alte holprige Straße
hinauf und hinunter trabten!
den Hufschlag der Pferde zu hören,
war schöner als alles, was man für Geld kaufen könnte.
Nan Joyce
Ein Pferd am Fluß
(Horse by the River)
Die Weisheit ist wie ein altes Pferd
Unten am Fluß
Das den Hals zu den Blättern hinauf reckt
Und eine Eichel abreißt.
Das Pferd ist blau
Wie Tabakrauch.
Mit seinen samtenen Lippen
Tastet es nach den Zweigen,
Und seine Gedanken ranken
Wie Weinlaub an den Sonnenstrahlen empor.
Keramikblau
Und glänzend schwarz gescheckt
Erinnert seine Farbe
An das glänzende Öl
Einer alten Leinwand.
Juanita Casey
Schwarz und weiß wie Nacht und Traum
(The Piebald)
Die Feuer der Fahrenden leuchteten rot.
Vor den Planwage kochten sie Abendbrot.
Das gescheckte Pferd kam zum Schmusen heran
Und schmiegte ganz zart seinen Kopf an mich an.
An der Flanke hat das Geschirr gerieben,
An der Schlter sind wunde Stellen geblieben.
Doch stolz wölbt´ den Hals es und wieherte leise
Meinen Gruß erwiedernd auf Pferdeweise.
Abend dämmert, wir sah´n in die Ferne.
Am Himmel blinkten die ersten Sterne.
Die Fledermaus flog. Ein Käuzchen fuft.
Der Atem des Pferdes lag süß in der Luft.
Ich tätschle den Hals ihm und streichle sein Ohr.
Unter buschigem Schopf blickte sanft es hervor,
Und seine Augen, so tief beseelt,
Haben mir seine Träume erzählt.
Nicht von staubigen Staßen und kurzer Rast,
Von schmerzender Schulter und schwerer Last;
Vielmehr eine große Erfolgsgeschichte,
Von früherem Ruhm, einem Dasein im Lichte.
Sie sprachen von tänzelndem Traben im Kreise,
Vom Orchester, das spielt´ eine schmissige Weise,
Von Mädchen, die turnten auf seinem Rücken,
Von lustigen Clowns die die Menschen entzückten.
Ich hört´ es und sah seine Nüstern erbeben,
Als stolz es erzählt sein vergangenes Leben.
Wie es mit silbernem Zaumzeug geschmückt
Vom rauschenden Beifall tief war beglückt.
Ich vergaß die Schmach seiner jetztigen Welt.
Ich hörte es schnauben im Zirkuszelt,
Sah es eihergeh´n mit schwebendem Schritt.
Auf seinem Rücken die Märchenfee ritt.
Will Ogilvie
Und dann an jenem Abend
Im späten Sommer kamen die seltsamen Pferde.
Wir hörten fernes Hufgetrappel auf der Straße,
Ein tiefes Trommeln, lauter werdend. Stille dann,
Und lauter wieder, dann an der Ecke Donnerdröhnen.
Wir sahen die Köpfe der Pferde,
Aufbrandende wilde Wogen, und fürchteten uns.
Zur Zeit unsrer Väter schon hatten wir die Pferde verkauft
Und ersetzt durch Traktoren. Jetzt waren sie uns fremd
Wie Fabelrosse auf bemalten Schilden
Oder auf Bildern in Ritterromanen.
Uns zu nähern wagten wir nicht, doch sie warteten
Reglos und unverwandt, als ob sie gehorchten
Einem alten Befehl, uns zu entdecken,
Die längst vergessenen uralten Gefährten.
Auch hatten sie bei sich ein halbes Dutzend Fohlen,
Ausgesetzt in der Wildnis irgendwo in der zerbrochenen Welt,
Und doch wie neu, hervorgegangen aus ihren eigenen Paradies.
Seit jeher haben sie uns die Pflüge gezogen und Lasten getragen.
Und diese freie Knechtschaft kann uns das Herz noch immer berühren.
Verändert ist unser Leben; die Ankunft der Pferde ein Anfang für uns.
Edwin Muir